
Ischialgie: Akupunktur lindert Schmerzen trotz Bandscheibenprolaps
Peking – Zehn Akupunktursitzungen haben in einer randomisierten Studie die chronischen ischialgischen Schmerzen von Patienten mit dokumentiertem Bandscheibenvorfall stärker gelindert als Scheinakupunkturen. Die chinesischen Mediziner stellen ihre Ergebnisse in JAMA Internal Medicine (2024; DOI: 10.1001/jamainternmed.2024.5463) vor.
Ein Prolaps der Bandscheibe im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule kann durch den Druck auf die dort austretenden Nervenwurzeln chronische Schmerzen im Versorgungsbereich des Nervus ischiadicus auslösen.
Die Schmerzen sind meist stärker als bei anderen Formen einer chronischen Lumbalgie. Solange es nicht zu ernsthaften neurologischen Ausfällen kommt, kann die Behandlung konservativ erfolgen, etwa durch eine physikalische Therapie oder Krankengymnastik.
In China werden viele Patienten nach den Regeln der traditionellen chinesischen Medizin behandelt. Neben Heilkräutern und einer speziellen Massagetechnik (Tuina) gehört dazu auch die Akupunktur. Es gibt definierte Punkte.
Die Akupunktur erfolgt bilateral an den Punkten Dachangshu (BL5) und Guanyuanshu (BL26) im unteren Rücken, Bei seitlich ausstrahlenden Schmerzen werden auch die Punkte Huantiao (GB30), Fengshi (GB31), Xiyangguan (G33), Yanglingquan (GB34) oder Xuanzhong (GB39) einbezogen. Bei Schmerzen im hinteren Bereich gehören die Punkte Zhibian (BL36), Chengfu (BL40), Weizhong (BL54), Chengshan (BL57) oder Kunlun (BL60) zu den Optionen der Akupunktur.
An der Studie nahmen 216 Patienten im Alter von durchschnittlich 51 Jahren teil, die seit 3 Jahren unter einer Ischialgie litten, die auf einen Prolaps im Bereich von L2/L4, L4/L5 und L5/S1 zurückgeführt wurden. Die Patienten hatten noch keine fortschreitenden neurologischen Ausfälle. Die Schmerzintensität gaben sie mit etwa 60 mm auf der VAS an. Der ODI lag zu Beginn der Studie bei etwa 33 Punkten.
Wie Liu berichtet, ging die Schmerzintensität nach 10 Akupunktursitzungen bis Woche 4 um 30,8 mm zurück gegenüber einer Linderung um 14,9 mm in der Scheinakupunkturgruppe.
Der ODI verbesserte sich in Woche 4 in der Akupunkturgruppe um 13,0 Punkte und in der Scheinakupunkturgruppe um 4,9 Punkt. Die mittlere Differenz von 8,1 Punkten war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 5,1 bis 11,1 Punkten statistisch signifikant und weil er über dem MCID lag, für die Mehrheit der Patienten auch klinisch relevant.
Nach 52 Wochen hatten die Schmerzen und die Beeinträchtigungen weiter nachgelassen. Die Vorteile der Akupunktur waren weiterhin statistisch signifikant. Schwelle. © rme/aerzteblatt.de
