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29. Dezember 2025

Substanz aus Granatäpfeln könnte Immunalterung umkehren

Frankfurt am Main – Eine vierwöchige Einnahme von Urolithin A – einer Substanz aus Granatäpfeln – führt bei gesunden Erwachsenen mittleren Alters zu einer messbaren Verbesserung der Immunzellzusammensetzung und -funktion. Das berichtet eine Arbeitsgruppe des Georg-Speyer-Hauses und der Universitätsmedizin Frankfurt im Fachmagazin Nature Aging (2025; DOI: 10.1038/s43587-025-00996-x).

Mit zunehmendem Alter verliert das Immunsystem an Anpassungsfähigkeit. Es kommt zu einem Rückgang naiver T-Zellen – also von anpassungsfähigen Immunzellen, die bereit sind, neue Bedrohungen zu bekämpfen – während Gedächtniszellen und chronisch aktivierte Immunzellen zunehmen. Dieses als „Immun­altern“ bekannte Phänomen führt laut den Forschenden zu einer erhöhten Infektanfälligkeit und einer chronisch niedriggradigen Entzündung („Inflammaging“).

„Kürzlich konnten wir zeigen, dass Urolithin A, ein Induktor der Mitophagie, die Anzahl von T-Gedächtnis-Stammzellen und naiven T-Zellen in Mäusen erhöht“, berichten die Forschenden.

Mitophagie bezeichnet den gezielten Abbau beschädigter oder funktionsgestörter Mitochondrien – und geht in der Folge mit einer Erneuerung der Mitochondrien in der Zelle einher.

Auf den Tierexperimenten aufbauend entwickelte die Arbeitsgruppe eine Phase-1-Untersuchung am Menschen: In der randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie erhielten 50 gesunde Erwachsene im Alter von 45 bis 70 Jahren vier Wochen lang täglich 1.000 mg Urolithin A oder Placebo. Die primären Endpunkte waren Veränderungen in den T-Zell-Subpopulationen und metabolische Anpassungen in der Gesamtgruppe der reifen T-Zellen.

Nach 28 Tagen zeigte sich in der Urolithin-A-Gruppe eine signifikante Zunahme naiver, weniger erschöpfter CD8-T-Zellen von 0,50 % (95-%-Konfidenzintervall: [0,16; 0,83]). Gleichzeitig erhöhte sich die Kapazität zur Fettsäureoxidation in diesen Zellen um 14,72 % [6,46; 22,99]. Die Expression des Proliferationsmarkers Ki-67 nahm zu, während das Erschöpfungsprotein TOX abnahm. 

„Die Behandlung stärkte auch andere wichtige Immunpopulationen, verbesserte ihre Fähigkeit, Bakterien zu beseitigen, und bereitete sie besser auf neue Herausforderungen vor“, hieß es aus der Arbeitsgruppe.

Die Forschenden hoffen, dass die Ergebnisse insbesondere für Krebspatientinnen und -patienten hilfreich sind: „Wir haben bereits eine Folgestudie mit Betroffenen begonnen, die sich einer Immuntherapie unterziehen und sind schon sehr gespannt, ob wir hier die gleichen positiven Effekte erreichen können“, sagte Florian Greten, Direktor des Georg-Speyer-Hauses und Sprecher des LOEWE-Zentrums Frankfurt Cancer Institute.